JUGENDLICHE (11-17 JAHRE)

Grundsätzlich können die vorab beschriebenen Problemfelder auch bei Kindern und Jugendlichen von 11 bis 17 Jahren auftreten, allerdings unter den veränderten Bedingungen eines neuen Lebensabschnitts: der (beginnenden) Pubertät, des Wechsels auf eine weiterführende Schule etc. Dieser Lebensabschnitt ist geprägt von zunehmender Selbständigkeit, sich fortsetzender Ablösung von Familie und Elternhaus und von den Anforderungen einer Orientierung in neuen sozialen Kontexten (neue Schule, Vereine, erste Schritte ins Berufsleben).

TYPISCHE PROBLEME BEI JUGENDLICHEN

Das dominante Problemfeld dieses Altersabschnittes ist das der Identitätskrise oder Identitätsverwirrung, dem ein gestörtes Selbstbild sowie eine misslingende Ablösung zugrunde liegen können. Hierunter können folgende Verhaltensstörungen fallen:

  • ANOREKTISCHE UND BULIMISCHE ESS-STÖRUNGEN: Zwanghaftes Fasten/ Hungern oder zwanghaftes Essen mit nachfolgendem Übergeben.
  • LERNSCHWÄCHEN: Konzentrationsmangel und Leistungsversagen in der Schule.
  • AFFEKTIVE STÖRUNGEN: Depression und erhöhte Suizidalität. Die Depression kann bei Jugendlichen schwere Formen annehmen, die mit erheblicher Selbstmordneigung einhergehen und chronisch werden können.
  • SELBSTVERLETZENDES VERHALTEN: (z.B. Ritzen)
  • SUBSTANZMISSBRAUCH: übermäßiger Drogen-oder Alkoholkonsum (z.B. Komasaufen).
  • PSYCHOGENE ANFÄLLE: Es gibt viele anfallsartig auftretende Störungen und Krankheiten, die mit einem epileptischen Anfall zu verwechseln sind. Meist ist es die akute seelische Befindlichkeit, welche aufgrund fehlender Kommunikationsmöglichkeiten Symptome provoziert, die epileptischen Anfällen zum Verwechseln ähnlich sehen können. Auslösende Faktoren können z.B. psychische Traumatisierungen, Konflikte oder Angst sein. Wie bei epileptischen Anfällen kommt es zu unregelmäßige Zuckungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen (oft im Gesicht), zu Augenblinzeln, Zucken der Augenbrauen oder Zucken der Schultern. Auch kurze Ohnmachten, Herzrhythmusstörungen, plötzliches Hinstürzen durch vorü bergehenden Verlust der Muskelspannung nach heftiger Erregung (z.B. Schreck), können auftreten.
  • DELINQUENZ: Untersuchungen aus vielen Ländern belegen, dass die Delinquenz in Art und Häufigkeit mit dem Alter variiert. Die Kriminalität erreicht im Jugendalter bei den 16-20jährigen einen Höhepunkt und fällt danach kontinuierlich und deutlich ab. Aus psychologischer Sicht gibt es im Wesentlichen zwei Wege zur Jugendkriminalität: entweder beginnt die kriminelle Karriere schon im Vor-und Grundschulalter oder mit dem Eintritt in die Pubertät. Die kriminelle Karriere jugendlicher Straftäter kann sehr früh beginnen, wenn sie bereits im Vor-und Grundschulalter Aggressionen und antisoziales Verhalten als ein gängiges Mittel der Problemlösung kennen lernen.
  • SEXUELL RISKANTES VERHALTEN: Promiskuität, häufige (ungeschützte) Sexualkontakte mit wechselnden Partnern.
  • GEWALTERFAHRUNGEN UNTER JUGENDLICHEN: Gewalterfahrungen als Täter oder Opfer gehören hierzulande zur Lebensrealität ca. eines Viertels der Kinder und Jugendlichen von 11-17 Jahren. Die Rate der ausschließlichen Opfer ist mit 4,6% mehr als 3x niedriger als die der Täter (15%). Es gibt klare Hinweise, dass die Gewalt hauptsächlich in Familien ausgetragen wird.
  • SCHLAFSTÖRUNGEN: Wie im Erwachsenenalter überwiegen auch im Kindes¬und Jugendalter die nicht organischen Schlafstörungen. Dabei handelt es sich v.a. um Probleme beim Ein-und Durchschlafen und um Parasomnien (Schlafwandeln, nächtliches Einnässen, Nachtschreck). Beim Jugendlichen kann ein unregelmäßiger Tages-bzw. Wochenablauf die Schlafqualität und -quantität stören. Aus verminderter Schlafdauer und Schlafqualität resultieren in Folge vermehrte Tagesmü digkeit und Leistungseinschrän¬kung, z.B. im Schulalltag.
  • HYPERKINETISCHE STÖRUNGEN: im Kindesalter fallen hierunter kurze Konzentrations-und Aufmerksamkeitsspannen, oppositionelles Verhalten in strukturierten Situationen (z.B. Schulunterricht) sowie eine beginnende Selbstwertproblematik. Im Jugendalter können zu den drei genannten Punkten noch eine zunehmende Isolation im sozialen Umfeld, eine bereits entwickelte Selbstwertproblematik sowie die Gefahren einer kriminellen Entwicklung und des Drogenmissbrauchs hinzukommen.
  • AUFMERKSAMKEITSSCHWÄCHEN: betroffene Kinder überlesen/ übersehen Aufgabendetails oder machen Sorgfaltsfehler bei den Schulaufgaben. Sie sind häufig nicht in der Lage, Aufmerksamkeit beim Spiel oder bei Aufgaben länger aufrechtzuerhalten. Sie hören scheinbar oft nicht, was ihnen gesagt wird, können häufig Aufgaben und Pflichten nicht erfüllen oder selbst organisieren. Sie vermeiden ungeliebte Aufgaben, die Durchhaltevermögen erfordern, verlieren häufig Dinge, die zur Durchführung von Aufgaben wichtig sind (z.B. Stifte) und lassen sich von externen Stimuli ablenken. Im Verlauf der alltäglichen Aktivitäten zeigen sie sich oft vergesslich.
  • HYPERAKTIVITÄT: Überaktive Kinder fuchteln häufig mit Händen und Füßen oder winden sich auf Sitzen, verlassen ihren Platz im Klassenraum oder in anderen Situationen, in denen Sitzenbleiben erwartet wird, laufen häufig herum oder klettern exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist, sind häufig unnötig laut beim Spielen oder haben Schwierigkeiten bei den leisen Freizeitbeschäftigungen. Es handelt sich um anhaltende Muster exzessiver motorischer Aktivität, die durch den sozialen Kontakt oder Verbote nicht durchgreifend beeinflussbar sind.
  • IMPULSIVITÄT: Impulsive, nicht affekt-kontrollierte Kinder platzen mit der Antwort heraus, bevor die Frage beendet ist, können oft nicht warten, bis sie an der Reihe sind, unterbrechen oder stören andere häufig (z.B. mischen sich ins Gespräch oder Spiel anderer ein), reden exzessiv, ohne angemessen auf soziale Beschränkungen zu reagieren.